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"You and your Performance"Improvisieren im Alltag und auf der BühneEin Bericht von Thomas Diener Ich habe Scott Kelman im Januar l997 in Portland kennen gelernt. Er war gerade aus Los Angeles. "geflohen". Dort, wo er mehrere Bühnen parallel geleitet hat, wurde ihm der Trubel um seine Person zu gross. Eins seiner bekanntesten Projekte war die von ihm gegründete Pipeline Inc. Mit dieser Compagny kamen in L.A. die Theaterpreise jedes Jahr mit der gleichen Sicherheit wie der Smogalarm. 1987 gewann er zum Beispiel den Ladcc's Harford Award. Aus jener Zeit stammt auch sein Ausspruch: "Wir waren schon immer kommerziell; das Problem ist nur, dass das niemand sonst weiss." Solchen Äusserungen verweisen auf eine erste Inspirationsquelle seiner Arbeit: Die Marx Brothers. Nun ja, es gibt viele Theaterleute die auch Workshops für "non-professionals" anbieten, aber es macht immer wieder Spass sich dem "leeren Raum der Bühne" auszusetzen. Als Psychodramatiker interessiert mich das Improvisationstheater ja auch beruflich. Also ging ich mit der normalen Dosis Lampenfieber und ohne all zu viele Erwartungen zu einem Einführungsabend. Es begann auch ganz traditionellen mit einer Aufwärmübung. Scott erklärte die Grundelemente seiner Theaterarbeit bezeichnete im Raum einen Bereich, der in Zukunft "the Stage" (die Bühne) sein würde und begann damit, uns einfach einmal in diesem Raum umhergehen zu lassen. Die nächste Übung war schon trickreicher: Wir wurden angewiesen so lange zu gehen, bis wir den Impuls hätten, stehen zu bleiben und dann stehend einfach wahrzunehmen was ist. "Check it out" war die Anweisung. Und mit "it" war wirklich alles gemeint. All unsere Sinneswahrnehmungen, das Körpergefühl, die Gedanken, unsere Stellung im Raum, den Raum selbst, die anderen Schauspieler auf der Bühne usw. Wer genug vom Wahrnehmen hatte, sollte sich wieder in Bewegung setzen. Scott erklärte: "Alles was Du auf der Bühne wahrnimmst ist Teil Deiner Rolle und als solches zu bejahen." Theater und vor allem Improvisationstheater lebt vom diesem "Ja". Auf alle Regungen von innen oder aussen, gibt es in der SchauspielerIn eine direkte Reaktion und diese gilt es herauszubringen. Mit jeder Übung wurde die Wahrnehmung gesteigert und es entwickelte sich im Raum eine Atmosphäre, die ich vor allem aus intensiven Gruppenmeditationen kenne. Ein zweites Element dass Scott's Arbeit beeinflusst hat, ist der Zen- Buddhismus. Wo Wahrnehmen und Handeln in eine Balance kommt, entsteht Kreativität, Spontaneität und eine klare Präsenz, die uns an guten SchauspielerInnen beeindruckt. Theater-Zen scheint mir ein gangbarer Weg zu mehr Bewusstsein für uns eher extrovertierten "Westler" zu sein. Langsam aufbauend kam die Stimme nach den ersten pantomimischen Auftritten von einzelnen oder Gruppen hinzu. Rhythmisiertes Sprechen (Rif) hinderte uns daran, vor dem Reden zu lange nachzudenken und daraus entwickelten sich wunderbar absurde Dialoge. Theater nicht als Konserve sondern als inspirierendes Happening von Laien für Laien aber schon nach einigen Stunden von hoher Qualität. Die Anwesenden wuchsen über sich selber hinaus. Zum Abschluss des Abends wurden "Klangskulpturen" gebaut. Es war beeindruckend mit welcher Musikalität hier Menschen zu einem Orchester zusammenwuchsen und einen Sound produzierten, der so mitreissend war, dass jeder Ton beim Zuhören mit Bildern und Assoziationen gefüllt war: Jazz ist dann auch ein weiteres Element, das Scott's Arbeit beeinflusst hat. Aufgewühlt und angeregt fragte ich mich auf dem Heimweg, was das ganz spezielle an diesem Abend gewesen ist. Es war wohl vor allem die Präsenz von Scott Kelman. Es ist spürbar, dass er dass, was er vermittelt auch lebt. Sicher ein Grund für ihn immer wieder über den klassischen Theaterrahmen hinauszugehen. So macht er auch Theater auf der Strasse mit Obdachlosen, in Kliniken und mit straffälligen Jugendlichen. Ein Zen-Meister, dem es vor allem darum geht zu vermitteln, dass wir in Raum und Zeit ganz da zu sein könnten. Theaterspielen heisst "ja" sagen zu dem was ist, darauf zu reagieren und mit der Veränderung, die dadurch entsteht mitzugehen. Gute Theaterarbeit schöpft so direkt aus der Quelle der Lebensenergie. Scott Kelman 1937–2007 wirkte seit 1981 in L.A. als Theaterschaffender. Seine Ausbildung begann er 1961 in NY bei Anthony Mannino und Gene Frankel. Durch seine "Performance Techniques Workshops in the Creative Process" gingen grosse SchauspielerInnen. Für seine Arbeit als Leiter verschiedener experimenteller Theaterbühnen und als Lehrer hat er viele Preise gewonnen. Unter anderem den Award "Best of the Best in Theater 87" von L.A. Weekly. Ab 1993 arbeitete er mit Anet Ris, einer Kunsttherapeutin, zusammen und gab Workshops für Menschen aus ganz verschiedenen Berufen in der ganzen Welt. Mehr über seine Arbeit the kelman group Im Moment bietet in der Schweiz Susanna Knittel Workshops mit seiner Arbeit an. |
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